
Skulpturelle Polymorphie -
25 Jahre Bildhauerbuch
Die Materie öffnen, um den Raum zu lesen
Meine künstlerische Intention "die Materie zu öffnen, um den Raum zu lesen“ hat sich in den vergangenen 25 Jahren in iintensiver Auseinandersetzung mit der traditionellen Wahrnehmung und Gestaltung eines Buches hin zu einer dreidimensionalen, polymorphen Buchskulptur entwickelt.
Das Buch transformiert sich in eine bewegliche Skulptur in einem individuellen, interaktiven Prozess. Der ästhetische Inhalt mischt sich unter in organischen und geometrischen Formen mit mediterranen, arabesken und konstruktivistischen Aspekten. Es entsteht die Buchskulptur mit verschiedenen Formen: offenen und geschlossenen, gefalteten und entfalteten. Das dreidimensionale Lesen über ein Spektrum von 360 Grad eröffnet dem Betrachter /Rezeptor große iinteraktive Möglichkeiten mit seiner eigenen persönlichen Geschwindigkeit, in dem er - wie ein Künstler - seine iindividuelle Sicht des Buches kreiert. Jede Bewegung einer Buchseite, eines gefalteten Stegs oder eines Streifens lässt die Erkenntnis entstehen: das gegenwärtig Gesehene ist Teil des Vergangenen und enthält schon das Zukünftige (Merleau– Ponty).
Auch der Faden und eine Schnur können neue ästhetische Zufälligkeiten und Bedeutungen entstehen lassen.
Die Buchskulptur ist nicht die Summe seiner Teile, sie ist ein eigenständiges Ganzes. Sie ist in der Wechselwirkung des Betrachters/ Rezeptors von Wahrnehmungen der Materie und des Raumes entstanden. Jeder erschafft das Gesehene neu, er deckt die formale Struktur des Kunstobjekts und den darin verborgenen Inhalt auf. Es gibt jedoch kein allgemein gültiges Konzept des Kunstobjekts. Was ist demnach eine Buchskulptur nach meinem künstlerischen Konzept?
- Beim Öffnen eines Buches liest man als Erstes die Raum- Materie. Die Schrift ist gefärbter Anteil der Materie- entziffert durch die Sprache.
- Die verschieden geformte Materie entfaltet sich, um die Räume zu verändern. Es entstehen Licht und Schatten. Die statische Zweidimensionalität des traditionellen Buchs wird aufgehoben.
- Die Dreidimensionalität der Raum - Materie verpflichtet uns zu einer mehrperspektivischen Sehensweise. Das Frontale der Buchseite oder des gemalten Kunstbuchs wird aufgebrochen.
- Die Mobilität der Buchseitenräume erschafft die Lesegeschwindigkeit des Buchs. Die zweidimensionale Buchseite mit ihrer minimalen Stärke verbirgt die Geschwindigkeit.
- Es entsteht eine interaktive Buchskulptur mit strukturellen Verwinkelungen und gefalteten - entfalteten Formen. Der Betrachter/Rezeptor ist kein Konsument sondern der Erschaffer der Relativität neuer Formen. Er ist der Entdecker des enthaltenen künstlerischen Konzepts.
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Der künstlerische Ausdruck – verwirklicht durch ein kreatives Subjekt - in den Parametern des verschieden geformten Buchs mit einer interaktiven, polymorphen Dreidimensionalität: das ist „das Bildhauerbuch“
Salvador Menjibar
Berlin, März 2010